,,Das ist ja wohl der Gipfel“

Joachim Wirtelewski und Peter Meyer vor ihrer größten Herausforderung
Ein Bericht vom Delmenhorster Kreisblatt
(24.07.2005)

Das Abenteuer beginnt am 20. August. Auf der Machame-Route sind 86 Kilometer zu bewältigen. ganderkesee (kd). Sie kennen sich schon seit der Schulzeit, das heißt seit über 30 Jahren.

Peter Meyer, 45 Jahre, Ganderkeseer, Elektroinstallateur und Bauleiter bei einer Firma in Oldenburg, und Joachim Wirtelewski, 53, Ganderkeseer, seit 15 Jahren Leitender Angestellter einer Möbelfabrik in Polen, der jedes Wochenende nach Hause kommt. Die beiden Männer sind Freunde und wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können. Das müssen sie auch, wenn sie demnächst zu einem ihrer bislang größten Abenteuer aufbrechen. Ab Bremen über Amsterdam und Kenia fliegen sie am 20. August nach Tansania, um den Kilimandscharo zu besteigen. Der ist 5895 Meter hoch und der letzte Berg, der noch ohne Sauerstoffmaske zu bezwingen ist. Das trauen die beiden Freunde sich zu, das Abenteuer wollen sie angehen.
Die Idee hatte Joachim Wirtelewski. Seit 20 Jahren fährt er im Urlaub nach Südtirol. Irgendwann lernte er einen Bergführer kennen, ging in der Region selber unter die Bergsteiger und berichtete seinem Freund von den Erlebnissen. Seit 2002 reisen sie jedes Jahr gemeinsam nach Tirol und bezwingen Dreitausender.
Peter Meyer war auf den Geschmack gekommen: ,,Die Einsamkeit, die Ruhe, der Moment nach langer Wanderung unterm Gipfelkreuz“ – das war es, was ihn faszinierte.
Die Ehefrauen klettern zwar nicht (mehr) mit, ,,aber sie lassen uns unsere Freiheit“, stellen die beiden dankbar fest.
Der 45-Jährige bestieg den höchsten Berg Spaniens, Teide: 3718 Meter. Der 53-Jährige brachte es auf 3439 Meter. ,,Das Allerwichtigste ist die Kondition“, betonen die Freunde.
Und man dürfe nicht dazu neigen, sich selbst zu überschätzen, dann lauern Gefahren. Respektvoll nennen sie die Höhenkrankheit. Die könnte sich in Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel äußern, und ,,dagegen können wir dann nichts machen“. Deshalb sei es wichtig, sich auf etwa 3000 Metern erst einmal zu akklimatisieren.

Das machen sie in Italien: ,,Am 13. August fahren wir auf eine Schutzhütte in dieser Höhe, kommen am 17. zurück, und am 18. und 19. packen wir die Koffer für Afrika.“
Nach der Landung in Tansania werden sie mit einem Jeep abgeholt und zum Basiscamp, 1800 Meter hoch, gebracht.

Meyer und Wirtelewski haben die reizvolle Machame-Route gewählt. Dort warten sechs weitere Bergsteiger auf sie, fünf Männer und eine Frau,
sowie pro Person zwei Träger, die bis zu 20 Kilogramm Gepäck schleppen.

Der Aufstieg zum Gipfel des Kilimandscharo dauert sechs Tage, runter geht’s in zwei Tagen. Die Gruppe durchquert fünf Vegetationsschichten, marschiert zwei Tage durch den Regenwald,
der hundertprozentige Luftfeuchtigkeit garantiert. Unterdessen werden die Gedanken zum glitzernden Eis am Kilimandscharo wandern.
Bis dahin müssen die Gipfelstürmer einen Temperaturunterschied von rund 50 Grad verkraften. Zwischen Start und Ziel liegen 86 Kilometer.

Den Gesundheitscheck beim Arzt und alle erforderlichen Impfungen haben sie hinter sich. Bis zum Abflug stehen das Konditionstraining und ein Training zur Stärkung der Bein- und Rückenmuskulatur ganz obenan.
Im Winter haben sie schon einmal ein Probeschlafen im Iglu gemacht, im heimischen Garten und bei minus 15 Grad. Das war kein Problem.

Am Kilimandscharo auf keinen Fall fehlen dürfen Wasser und Medikamente, wissen die Ganderkeseer. Entsprechend schwer wird das Gepäck sein.
Natürlich gehen sie davon aus, dass sie ihr Ziel erreichen, dass sie sich – „Berg Heil“ – ihren Traum verwirklichen können.
Dabei ist ihnen bekannt, dass sie auf dem Gipfel wegen der enormen Höhe nur wenige Minuten verweilen können und sich gleich wieder an den Abstieg machen müssen.
Beide geben zu, dass sie schon aufgeregt sind, glauben aber: ,,Von diesem Erlebnis werden wir sicher lange zehren.“
Peter Meyer, Joachim Wirtelewski

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